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Cyril Connolly

Fährt man – sagen wir einmal – von Pall Mall die St. James‘ Street nördlich, um sich dann über Piccadilly – am Ritz vorbei – Richtung Marble Arch zu bewegen, und fährt man dann über Edgeware Road und Marylebone Road Richtung Regent’s Park, dann kommt man über den Outer Circle irgendwann zum ZSL London Zoo. Die Buchstaben ZSL stehen für Zoological Society of London, die den Zoo mit heute über 18.000 Tieren aus über 750 Arten seit 1828 betreibt.

Hier fand im Spätsommer 1973 eine Geburtstagsparty zu Ehren des Londoner Autors, Literaturkritikers und Intellektuellen Cyril Connolly statt, der am 10. September 1973 seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte. In der Zeit zwischen 1940 und 1949 war er Herausgeber des Literaturmagazins Horizon und in seinem 1938 erschienenen Buch Enemys of Promise mischte er Literaturkritik mit autobiographischen Erlebnissen. Vor allem unternahm er hier den Versuch, zu erklären, warum fast alle seiner literarischen Anfänge unvollendet geblieben sind.

Die Wege von Cyril Connolly und AP haben sich mehrfach gekreuzt. Zunächst in Eton, dann aber vor allem im Balliol College an der Universität Oxford, wo Sligger Urquhart Connolly‘s Lehrer und Mentor wurde, der erhebliche Züge von APs Sillery im Dance… trägt.

Connolly, der Zeit seines Lebens ebenso gerne reiste wie ihm die Mittel dafür fehlten, war in zweiter Ehe mit Barbara Skelton verheiratet, die das Muster für APs Pamela Flitton, verheiratete Widmerpool, war. Die Zeiten waren wild, Barbara verließ Cyril, weil sie eine Affäre mit Lord Weidenfeld angefangen hatte, nur um diesen alsbald nach ihrer Hochzeit wieder zu verlassen, weil sie eine Affäre – mit Cyril Connolly anfing.

Auch die mittelbaren Verbindungen von Connolly und AP sind vielfältig, schon in der St. Cyprian‘s School in Eastbourne waren seine Mitschüler George Orwell (später auch in Eton) und Cecil Beaton; später stellten Evelyn Waugh, Harold Acton und John Betjeman – um nur ein paar Beispiele zu nennen – Mitglieder eines intellektuellen Kreises dar, dem auch AP angehörte.

Connolly, der vor allem als Literaturkritiker für die Sunday Times gearbeitet hatte, war ein begeisterter Tierliebhaber, was den für das Ausland zuständigen Herausgeber der Sunday Times Frank Giles auf den Gedanken brachte, anlässlich des 70. Geburtstages einen Geburtstagslunch im London Zoo auszurichten. Er überredete den Zoodirektor Solly Zuckermann, den Dining Room und den Members‘ Lawn für diese Gelegenheit zur Verfügung zu stellen und und so fuhren am Morgen des fraglichen Tages Connolly und seine dritte Frau Deirdre von Eastbourne nach London, wo Jack Lambert sie in einem großen Fahrzeug von ihrem Hotel in Belgravia abholte und Richtung Norden fuhr. Connolly, der wusste, dass, aber nicht wo, eine Geburtstagsparty für ihn stattfinden sollte, hielt alle möglichen Orte für denkbar, selbst 10 Downing Street. Nur das Bürogebäude des Observer, das auf dem Weg lag, hielt er als Veranstaltungsort für ausgeschlossen.

Zuvor war Connolly gebeten worden, eine Gästeliste zu erstellen. Nach langem Hin und Her schickte er einen Entwurf an seinen Freund Jack Lambert, den er – in Hommage an Ian Fleming  – mit «Top Secret. For your eyes only. Eat after reading.» überschrieb. In dieser Gästeliste, in der neben AP auch Jack Lambert, Diana Cooper, Raymond Mortimer, John Betjeman, Cecil Beaton, Philip de Rothschild und – als Gastgeber natürlich – Harold Evans verzeichnet waren, wurde auch die Sitzordnung diskutiert. Genannt wird beispielsweise John Betjeman, dessen Platzierung für delikat gehalten wurde, weil er «keine neuen Gesichter» kennen lernen mochte. Ganz anders dagegen die Erwähnung von AP, dessen Platzierung nach Auffassung von Connolly völlig gleichgültig war, weil ohnehin alles, was sich AP in den Weg stellte, «grist to his mill» sein würde.

Um die Geburtstagsparty ranken sich viele Geschichten. Cecil Beaton beispielsweise nahm Connolly wahr «pretty as a celluloid cupid in a bath» und in seiner Dankesrede sprach Connolly über seine Kindheit, seine Schultage und sein Leben in der literarischen Welt, wobei er immer wieder im Einzelnen auf anwesende Gäste einging. Diana Cooper nahm die Rede Connollys wahr wie «a soufflé of a speech only equalled in taste by the excellence of the food» und AP fand «the Claret was the best I have tasted in ages».

Auf der Geburtstagsparty traf AP im übrigen auch auf den amerikanischen Kritiker Edmund Wilson, der zu den ersten gehörte, die Powell mit Proust verglichen, allerdings nicht zum Vorteil des Erstgenannten. In einem Interview mit dem «New Yorker» wunderte Wilson sich, warum so ein Aufhebens um AP gemacht wurde. Er fand ihn gerade gut genug, um (im Sommer) als Gutenachtlektüre zu dienen («… entertaining enough to read in bed late at night in summer… ») und er bedauerte, dass AP mit Proust verglichen würde oder sogar verglichen werden wolle: «It’s a pity he ever dipped into Proust». Als Wilson und AP aufeinander trafen, fragte AP («everything is grist to his mill») Wilson frei heraus, warum er – Wilson – seine Bücher nicht leiden mochte. In einem Brief an John Monagan berichtet AP dann über die Reaktion von Wilson: «He seemed rather embarrassed, but we got on quite well in the few minutes we talked… If you start off with the determination that my books are imitation Proust, the objection is very understandable.»

All das ist in der Biographie «Cyril Connolly: A life» von Jeremy Lewis nachzulesen (Pimlico, 1998). Nur ein Jahr später ist Cyril Connolly am 26. November 1974 verstorben.