Den 112. Geburtstag von Anthony Powell feierte die deutsche Anthony Powell Gesellschaft mit ihrem ersten «Le Bas Dinner» im Excelsior Hotel Ernst. An zwei langen Banketttischen im Gobelinsaal des besten Kölner Hotels nahmen 62 Gäste Platz, um zunächst vom Vorstand begrüßt und sodann mit zwei Dinner Speeches von Denis Scheck und Andreas Platthaus beglückt zu werden.

In seiner Begrüßung beschrieb der Präsident der APG Theo Langheid die neuesten Entwicklungen in 2017, vor allem das Erscheinen der Bände 9 und 10 in Deutsch, die von einem der Referenten des Abends, Andreas Platthaus, am gleichen Tag in der FAZ positiv besprochen worden waren. Ferner wurde die neue AP-Biographie von Hilary Spurling und deren ausnahmslos positive Besprechungen in der englischen Presse vorgestellt. Die Besprechung von Claire Messud, die Anthony Powell im «Guardian» nicht nur mit Proust, sondern gleich auch mit Balzac, Joyce und Wolfe verglichen hatte, wurde besonders hervorgehoben. Außerdem konnte anhand mehrerer Beispiele nachgewiesen werden, dass die Kenntnis von Romanen von Anthony Powell im heutigen UK als selbstverständlich vorausgesetzt werde. Die Begrüßung finden Sie >hier<.

Anschließend klärte Vize-Präsident Henner Löffler über den Hintergrund des Le Bas Dinners im Ritz im Juli 1933 auf. Er hob Hilary Spurlings Beschreibung von Le Bas hervor (“no sex life”) und beschäftigte sich sodann intensiv mit der Figur von Kenneth G. Widmerpool, der das Le Bas Dinner beherrscht und wies darauf hin, dass wir nie erfahren werden, wofür das G. steht. Abschließend wurde Widmerpool mit Charles Dickens’ Uriah Heep verglichen, in ihrer Sucht nach Macht und ihren gestörten Mutterbeziehungen. Die Ausführungen von Henner Löffler finden Sie >hier<.

Nach der Vorspeise gratulierte Denis Scheck AP zum 112. Geburtstag und erinnerte daran, dass am gleichen Tage Heinrich Böll seinen 100. Geburtstag feierte. Denis Scheck erinnerte an die Anekdote, wonach das Nobelpreis-Kommittee 1972 den Nobelpreis für Literatur erst einem gleichnamigen Handwerker aus Köln-Nippes zugedacht hatte, der ehrenhafterweise den Preis aber zurückgewiesen und auf seinen berühmten Namensvetter verwiesen habe. In diesem Zusammenhang wurde daran erinnert, dass AP das Schicksal von Kafka, Joyce und Nabokov teilte, die ebenfalls niemals den Nobelpreis erhalten hätten.

Sodann berichtet Denis Scheck über die Beobachtung des Kunsthistorikers (und Spions) Anthony Blunt, dass das Gemälde von Nicholas Poussin keineswegs die vier Jahreszeiten zeige, sondern dass eine der Figuren ein Mann sei und dass es sich bei den Dargestellten um Allegorien von Armut, Arbeit, Reichtum und Vergnügen handeln würde. Er verwies schließlich auf Joshua Reynolds, der zwei in seinem Besitz befindliche Rembrandt-Gemälde übermalt habe, weil diese ihm nicht “rembrandthaft” genug erschienen seien und er spielte mit der Idee, ob Anthony Powell vielleicht  das Gleiche mit dem Gemälde von Nicholas Poussin gemacht habe, als er den «Tanz…» schrieb.

Schließlich sprach Andreas Platthaus über “Kenneth Widmerpools Fan”, das Wort “Fan” im doppelten Wortsinne benutzend, einerseits in Anspielung auf Oscar Wilde und Mrs. Windermeres Fächer und andererseits als Anhänger von Kenneth Widmerpool. Andreas Platthaus sinniert über den richtigen Namen von deutschen AP-Fans nach und über die Überraschungen, die mit Dinner Speeches einhergehen können, dabei auf die beiden Reden von Kenneth Widmerpool im «Tanz…» verweisend. Sodann beschäftigt er sich mit dem Verhältnis von AP zu Oscar Wilde, der in den Romanen an gleich drei Stellen durchaus zwiespältige Erwähnung findet. Den Beitrag von Andreas Platthaus finden Sie >hier<.

Am Ende las Charles Ripley aus «The acceptance world» («Die Welt des Wechsels») halb deutsch, halb englisch die Szene des original Le Bas Dinners im Juli 1933 im Londoner Ritz. Pünktlich zum Zusammenbruch von Le Bas um 22.23 Uhr wurde er fertig. Zu essen gab es Glen Douglas Lachs, Roastbeef und Bread & Butter Pudding. Das Dinner endete mit dem Zusammenbruch von Le Bas, wurde aber bis in die frühen Morgenstunden noch in der Bar des Excelsior Hotels fortgesetzt. Am 21.12.2018 wird es wiederholt.

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