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Zitat des Monats

 

«Am Ende dieser keilförmigen Phalanx, in langem Abstand zu den anderen, dahinschlendernd, als sei sie ganz für sich auf einem langen einsamen Feldspaziergang, ihre Gedanken weit entfernt und ihren eigenen melancholischen Tagträumen hingegeben, ging, glitt fast, Widmerpools Frau. Ihre Augen waren fest auf den Boden gerichtet, als sie langsam, mit außerordentlicher Anmut, den Gang heraufkam. Als Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellte sie den Rest des Zuges völlig in den Schatten. Das hatte seinen Grund nicht allein in ihrer schlanken Figur und ihrer unterdrückt missmutigen Schönheit. Eine andere schöne Frau hätte nicht mehr als den Eindruck erweckt, eine schöne Frau zu sein. Es war nicht leicht zu sagen, was Pamela Widmerpool darüber hinaus auszeichnete. Vielleicht ihre absolute Selbstsicherheit, die Art, wie sie wortlos zum Ausdruck brachte, dass ihre Gegenwart an sich schon eine Herablassung sei, dass die Tatsache, sich erlaubt zu haben, Teil dieser besonderen Gruppe zu sein, eine hingenommene Entwürdigung der erniedrigendsten Sorte darstelle. Vor allem aber schien sie eine passende Begleiterin bei einem Tod zu sein. Das lag gewiss nicht an ihrer Kleidung, die weit davon entfernt war, düster zu wirken, und eher so aussah, als habe sie sie - wie Isobel später bemerkte - für einen kalten Tag auf der Rennbahn gekauft. Sie trug diese Nähe zum Tod in sich.»

aus «Bücher schmücken ein Zimmer» (Books do furnish a room), Elfenbein 2017

 

 

 

 

 

Le Bas Dinner am 21.12.2017

 

Den 112. Geburtstag von Anthony Powell feierte die deutsche Anthony Powell Gesellschaft mit ihrem ersten «Le Bas Dinner» im Excelsior Hotel Ernst. An zwei langen Banketttischen im Gobelinsaal des besten Kölner Hotels nahmen 62 Gäste Platz, um zunächst vom Vorstand begrüßt und sodann mit zwei Dinner Speeches von Denis Scheck und Andreas Platthaus beglückt zu werden.

 

In seiner Begrüßung beschrieb der Präsident der APG Theo Langheid die neuesten Entwicklungen in 2017, vor allem das Erscheinen der Bände 9 und 10 in Deutsch, die von einem der Referenten des Abends, Andreas Platthaus, am gleichen Tag in der FAZ positiv besprochen worden waren. Ferner wurde die neue AP-Biographie von Hilary Spurling und deren ausnahmslos positive Besprechungen in der englischen Presse vorgestellt. Die Besprechung von Claire Messud, die Anthony Powell im «Guardian» nicht nur mit Proust, sondern gleich auch mit Balzac, Joyce und Wolfe verglichen hatte, wurde besonders hervorgehoben. Außerdem konnte anhand mehrerer Beispiele nachgewiesen werden, dass die Kenntnis von Romanen von Anthony Powell im heutigen UK als selbstverständlich vorausgesetzt werde. Die Begrüßung finden Sie >hier<.

 

Anschließend klärte Vize-Präsident Henner Löffler über den Hintergrund des Le Bas Dinners im Ritz im Juli 1933 auf. Er hob Hilary Spurlings Beschreibung von Le Bas hervor ("no sex life") und beschäftigte sich sodann intensiv mit der Figur von Kenneth G. Widmerpool, der das Le Bas Dinner beherrscht und wies darauf hin, dass wir nie erfahren werden, wofür das G. steht. Abschließend wurde Widmerpool mit Charles Dickens' Uriah Heep verglichen, in ihrer Sucht nach Macht und ihren gestörten Mutterbeziehungen. Die Ausführungen von Henner Löffler finden Sie >hier<.

 

Nach der Vorspeise gratulierte Denis Scheck AP zum 112. Geburtstag und erinnerte daran, dass am gleichen Tage Heinrich Böll seinen 100. Geburtstag feierte. Denis Scheck erinnerte an die Anekdote, wonach das Nobelpreis-Kommittee 1972 den Nobelpreis für Literatur erst einem gleichnamigen Handwerker aus Köln-Nippes zugedacht hatte, der ehrenhafterweise den Preis aber zurückgewiesen und auf seinen berühmten Namensvetter verwiesen habe. In diesem Zusammenhang wurde daran erinnert, dass AP das Schicksal von Kafka, Joyce und Nabokov teilte, die ebenfalls niemals den Nobelpreis erhalten hätten.

 

Sodann berichtet Denis Scheck über die Beobachtung des Kunsthistorikers (und Spions) Anthony Blunt, dass das Gemälde von Nicholas Poussin keineswegs die vier Jahreszeiten zeige, sondern dass eine der Figuren ein Mann sei und dass es sich bei den Dargestellten um Allegorien von Armut, Arbeit, Reichtum und Vergnügen handeln würde. Er verwies schließlich auf Joshua Reynolds, der zwei in seinem Besitz befindliche Rembrandt-Gemälde übermalt habe, weil diese ihm nicht "rembrandthaft" genug erschienen seien und er spielte mit der Idee, ob Anthony Powell vielleicht  das Gleiche mit dem Gemälde von Nicholas Poussin gemacht habe, als er den «Tanz...» schrieb. Den Beitrag von Denis Scheck finden Sie >hier<. Wir werden diesen Beitrag in einem Monat auf Wunsch von Herrn Scheck wieder von unserer Homepage entfernen.

 

Schließlich sprach Andreas Platthaus über "Kenneth Widmerpools Fan", das Wort "Fan" im doppelten Wortsinne benutzend, einerseits in Anspielung auf Oscar Wilde und Mrs. Windermeres Fächer und andererseits als Anhänger von Kenneth Widmerpool. Andreas Platthaus sinniert über den richtigen Namen von deutschen AP-Fans nach und über die Überraschungen, die mit Dinner Speeches einhergehen können, dabei auf die beiden Reden von Kenneth Widmerpool im «Tanz...» verweisend. Sodann beschäftigt er sich mit dem Verhältnis von AP zu Oscar Wilde, der in den Romanen an gleich drei Stellen durchaus zwiespältige Erwähnung findet. Den Beitrag von Andreas Platthaus finden Sie >hier<.

 

Am Ende las Charles Ripley aus «The acceptance world» («Die Welt des Wechsels») halb deutsch, halb englisch die Szene des original Le Bas Dinners im Juli 1933 im Londoner Ritz. Pünktlich zum Zusammenbruch von Le Bas um 22.23 Uhr wurde er fertig. Zu essen gab es Glen Douglas Lachs, Roastbeef und Bread & Butter Pudding. Das Dinner endete mit dem Zusammenbruch von Le Bas, wurde aber bis in die frühen Morgenstunden noch in der Bar des Excelsior Hotels fortgesetzt. Am 21.12.2018 wird es wiederholt.

 

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Tanzen Sie mit ...!

 

Tauchen Sie ein in die Welt von Nicholas Jenkins, Charles Stringham und Peter Templer, werden Sie Teil der entschleunigten Welt des Englands der 20er und 30er Jahre, erleben Sie den «Blitz» über London aus Sicht der Betroffenen und begleiten Sie die britische Gesellschaft der Nachkriegszeit bis hin zum Hippiekult der späten 60er und frühen 70er.

Anthony Powell hat ein breit gesponnenes Netz von unterschiedlichsten Persönlichkeiten geschaffen, die sich über Jahrzehnte hinweg begegnen, aus den Augen verlieren und wieder zusammen kommen, wie die Schriftsteller St John Clark, JG Quiggin und X Trapnel, der Universitäts-Don Sillery («Sillers»), der exzentrische Lord Warminster, der Citymagnat Sir Magnus Donners, der Musiker Hugh Moreland, der Maler Edward Deacon, der Kritiker Maclintick oder der Sektenführer Scorpio Murtlock. Und  neben vielen anderen Adeligen, Gelehrten, Bohemians und Künstlern natürlich den lebenslangen Widerpart des Ich-Erzählers Nick Jenkins, Kenneth Widmerpool, Sohn eines Handelsvertreters für Flüssigdünger, Etonschüler, Anwalt, Unternehmer, Parlamentsabgeordneter, Präsident einer obskuren Universität in den Midlands und dann schließlich Mitglied im House of Lords.

Treffen Sie auf so wunderbare Frauen wie die Tolland Sisters (von denen eine, Lady Isobel, Nicks Ehefrau wird), oder Baby Wentworth, die nie wieder ein Wort mit ihren verflossenen Liebhabern spricht, die wahrsagende Myra Erdleigh, gelegentliche Lebensgefährtin von Onkel Giles, die «fashionable beauty» Bijou Ardglass (Chips

Lovell: «Have you slept with her? Most of one's friends have») und schließlich Pamela Flitton, verh. Widmerpool, einem Kritikerurteil nach «the biggest bitch in English literature».

Kurzum: lesen Sie den zwischen 1951 und 1975 entstandenen 12bändigen  «Dance to the music of time», laut Anthony Powell «told over the dinner table», der Leben und Sterben eines breit gefächerten Freundes- und Bekanntenkreises in der Zeit zwischen 1914 und 1971 nachzeichnet.

 

«... wie trockener Champagner, kühl, humorvoll... . Realistischer als Proust... und viel vergnüglicher» (Evelyn Waugh).

Eine Kurzbeschreibung der einzelnen Romane finden Sie  >hier<.

 

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Erfolgreiche Lesungen in München und Wiesbaden

 

Die gemeinsam mit der Brougier-Seisser-Cleve-Werhahn-Stiftung (BSCW) und den Literaturhäusern in München und Wiesbaden am 26. und 27.09.2017 durchgeführten Lesungen waren - in München sogar vor ausverkauftem Haus - ein voller Erfolg.

 

Der Schauspieler Thomas Loibl las aus dem dritten Band «Welt des Wandels», zweimal aus «Bei Lady Molly» und schließlich aus dem zur Frankfurter Buchmesse neu erschienenen Band «Bücher schmücken ein Zimmer».

 

Zuvor hatte der Vorsitzende der APG Anthony Powell, sein Werk, seine Rezeption und die deutschen Übersetzungen vorgestellt. Den Text dieser Rede finden Sie >hier<.  Die Presse hat bereits berichtet (siehe >hier<).

 

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APs Biographie von Hillary Spurling erschienen

 

Unter dem Titel «Anthony Powell: Dancing to the music of time» hat die langjährige Freundin von Anthony Powell, die bereits das sehr hilfreiche Handbuch zum «Dance...» geschrieben hatte, dessen Biographie bei Hamish Hamilton veröffentlicht (528 Seiten, £ 25). Die Sunday Times hat diese Biographie bereits am 24.09.2017 durchaus wohlwollend besprochen, wobei es sich der Kritiker John Carey nicht verkneifen konnte, Powell u.a. einen «overprivileged toff» zu nennen.

 

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In the footsteps...

 

Powells Biographin Hilary Spurling hält am 28. Oktober 2017 in der Wallace Collection einen Vortrag unter dem Titel «In the footsteps of Anthony Powell».

 

Das Ganze beginnt um 15.00 Uhr und findet statt in «The Wallace Collection», Manchester Square, London W1. Tickets können erworben werden unter anthonypowell.eventbrite.co.uk oder direkt bei der Wallace Collection (Tel +44 20 7563 9551).

 

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Frisch zur Frankfurter Buchmesse...

 

... sind zwei weitere Bände des «Dance...» auf deutsch erschienen. Es handelt sich um Band 9 «Die Philosophen des Krieges» (The military philosophers) und um Band 10 «Bücher schmücken ein Zimmer» (Books do furnish a room) .

 

Die «Philosophen des Krieges» spielen im Frühjahr 1942. Wir treffen erstmals auf Pamela Flitton, die sich im Sommer 1945 mit Kenneth Widmerpool verlobt. Nach der Kapitulation des deutschen Reichs begegnet Nick beim Dankgottesdienst in St. Paul's einer alten Bekannten wieder...

 

In «Bücher schmücken ein Zimmer» treffen wir Nick Jenkins nach dem Krieg an seiner alten Universität wieder, wo er ein Buch über Robert Burton schreiben möchte. Neue Figuren treten auf, beispielsweise der avangardistische Schriftsteller X Trapnel. Auch Pamela Widmerpool spielt wieder eine bedeutende und schicksalhafte Rolle...

 

Den Kurzinhalt aller Bände des «Dance...» finden Sie >hier<.

 

Der weitere Fahrplan des Elfenbein Verlags sieht vor, dass die abschließenden Bände 11 und 12 im März bzw. Oktober 2018 erscheinen.

 

 

Die ersten Bände liegen bereits seit einiger Zeit vor und sind von der Presse ausgesprochen positiv aufgenommen worden: 

 

Very British - und besser als Balzac ... Die schönste lange Romanreise der Weltliteratur ... Elegante Übersetzungen Heinz Feldmanns ...

(Andreas Isenschmid, DIE ZEIT)

 

Feldmann hat ... ein sicheres Gefühl für den Rhythmus der oft langen Perioden und trifft den Ton beim fast noch schwierigeren Geplauder. Kurz, er ist der richtige Mann für den riskanten Job ...

(Michael Maar, Süddeutsche Zeitung)

 

Die Musik dieses Erzählers ist mitreißend ... ein Gipfeltext des 20. Jahrhunderts ...

(Tobias Döring, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

 

... eine ins Unendliche gedehnte Dinnerparty ... ein Großversuch, das Leben zu begreifen ...

(Martin Ebel, Tages-Anzeiger)

 

Die einzelnen Bände können direkt beim >Elfenbein Verlag< bestellt werden.

 

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Powell oder Pole?

 

Die Enkeltochter von AP, Georgia Powell, hat in einem Beitrag für den Daily Telegraph am 08. Februar 2016 über die Aussprache ihres Nachnamens sinniert: «Powell or Pole, that is the question». Sie beruft sich auf ihren Großvater und nennt sich Pole, was dann aber - etwa am Telefon - häufig mit Pearl oder Pile verwechselt wird. Am Ende verweist sie darauf, dass ihre Kinder es noch schwerer haben werden als sie selbst, weil sie nach ihrem Vater Coke heißen, ausgesprochen allerdings wie Cook (wie der berühmte Richter und Politiker des 16./17. Jahrhunderts Sir Edward Coke). Den gesamten Artikel finden Sie >hier<.

 

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«Lives of the novelists: a history of fiction in 294 lives»

von John Sutherland (Profile Books, London, 2011)

 

John Sutherland ist emeritierter Professor für englische Literatur und hat ein Buch über 294 Autoren veröffentlicht, unter denen sich - natürlich - auch Anthony Powell befindet. Der «must read text» ist «The Acceptance World» und die Referenzbiographie ist die von Michael Barber. Eine Besprechung des Buchs von Jeffrey Manley finden Sie >hier<.

 

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London Quarterly Pub Meets

 

Unsere Schwestergesellschaft, die Anthony Powell Society UK, hält einmal im Quartal ein Pub-Meeting ab, um sich untereinander besser kennen zu lernen und über AP zu diskutieren. Treffpunkt ist in «The Audley», Mount Street, London W1 (Termine siehe >hier<).

 

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